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25.0
1.1979 - 25.0 1.20 0 4
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Genau heute vor 25 Jahren, am 25.01.1979,
spielte ich meine erste Schachpartie.
An diesem Donnerstagabend erschien ich gegen 19.00 Uhr zum ersten
Mal im Winsener Schachverein.
Zu dieser Zeit war mein Sohn Kai, gerade 12 Jahre alt, seit einiger
Zeit als Jugendspieler im Verein.
Es gab keine spezielle Jugendgruppe, die Jugendlichen trafen sich
abends mit den Erwachsenen
zum Spiel. Ich brachte ihn hin und holte ihn wieder ab, wartete
dabei aber immer vor der Tür im Auto. |
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Im
Winsener Anzeiger konnte man Anfang Februar 1979
folgenden Artikel lesen:
Damen suchen ihre Königin!
Schachverein Winsen trägt erste Stadtmeisterschaft
für Frauen aus.
Beim Schachverein Winsen steht zur Zeit neben dem
laufenden
Spielbetrieb das erste Damen-Turnier um die Winsener
Stadt-
meisterschaft im Mittelpunkt des Interesses. Der Wettbewerb,
an dem 13 Spielerinnen teilnehmen, hat bereits begonnen. |
Nachdem
die Frauen zunächst
einen sechswöchigen Lehrgang
beim Schachverein belegt hatten,
wird nun in neun Runden nach
dem Schweizer System gespielt.
Dabei werden punktgleiche Spie-
lerinnen jeweils gegeneinander
gelost. |
Inzwischen
haben sich mit Inge-
borg Siggelkow, Dörte Guerin
und Heidi Staack die ersten
Favoriten herauskristallisiert.
Preise sollen übrigens alle Frauen
erhalten, da es sich bei dieser
Stadtmeisterschaft um das erste
Turnier dieser Art in ganz
Niedersachsen handelt. |
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Über den
Winter 1978/1979 hatte Joachim Holdorf an der Volkshochschule
einen Schachkursus für
Frauen angeboten, der mit 25 Damen sehr gut besucht gewesen war.
Als dieser Kursus dem Ende zu-
ging, beschloß man, das Gelernte auch umzusetzen und in
ein Turnier einzubringen.
Joachims damalige Freundin und spätere Frau Sigried hatte
auch teilgenommen. Sie war eine Kollegin
von mir und wir hatten uns über Schach unterhalten. Dabei
hatte ich erwähnt, daß ich auch wüsste,
wie man die Figuren setzt. Nun fing sie an, mich zur Teilnahme
an dem Turnier zu überreden. Schnell
sagte ich ja, denn mir war ja überhaupt nicht klar, worauf
ich mich wirklich einließ.
Wir trafen uns eine Stunde vor Beginn des Turniers und ich bekam
einen Schnellkurs in Schach, d.h.,
sie zeigte mir die Uhr, die Notation, was eine Rochade ist und
welche Figuren zuerst gezogen werden.
„Und immer zur Mitte hin ziehen“, sagte sie noch. „Springer am
Rand ist eine Schand’.“
Nach und nach trafen auch die anderen Frauen ein, es nahmen mit
mir 13 Spielerinnen teil. Wir saßen
nicht bei den Männern, unser Turnier fand in einem Extra-Raum
statt. Während wir noch warteten, bis
wir vollständig waren und Joachim Holdorf nach der Anmeldung
die Auslosung vornehmen konnte,
kamen zwei ältere Herren mit einem Brett und Figuren in unseren
Raum, setzten sich zu uns und bau-
ten ihr Brett auf. Das waren die ersten leibhaftigen Schachspieler,
die ich in Aktion sah. Schnell waren
sie in ihr Spiel vertieft.
Einer der beiden wiegte den Oberkörper vor und zurück,
hielt einen Arm über das Brett, die Hand in
Greifstellung und drohte immer, irgendeine Figur zu ziehen. Er
konnte sich wohl nur nicht entscheiden,
welche das sein sollte.
„Soll ich, oder soll ich nicht?“ murmelte er dabei und „Nehm ich
den, nimmt er den.“ Es dauerte eine
ganze Weile, bis er zugriff. Manchmal zog er seine Hand aber auch
noch kurz wieder zurück, schnaubte
durch die Nase und stöhnte und begann das Spielchen kurz
darauf aufs Neue.
Der andere Spieler starrte ebenfalls die ganze Zeit vorgebeugt
aufs Brett. Dabei war sein Mund die
ganze Zeit in Bewegung. Er rollte mit den Lippen, zog sie ein,
stülpte sie wieder raus, schmatzte, hielt
kurz inne und schmatzte wieder weiter.
Ich hatte die beiden fasziniert beobachtet. Und gerade hatte ich
mir die Fragen gestellt: "Verhalten sich
alle Schachspieler so? Ist das ansteckend? Werde ich auch mal
so? Sollte ich lieber noch schnell ver-
schwinden und mir ein anderes Hobby suchen?", da war die
Auslosung fertig, und ich saß plötzlich
am Brett, mir gegenüber meine erste Gegnerin Frau Fairley.
Das Turnier begann.
Nach einem anfänglichen Zögern fingen wir an, unsere
Figuren zu setzen und machten die ersten
Züge. Manchmal brauchten wir gar nicht viel überlegen,
das Spiel lief fast von selbst. Aber es gab
auch Züge, bei denen man schon mal etwas länger grübeln
mußte.
Und dann geschah das Wunder: Ich gewann mein erstes Spiel. Ich
war ein Naturtalent, fast ein Genie.
Ich hatte meine Gegnerin sogar mit Opfer Matt gesetzt. Wie einfach
war Schach. |
(Als
ich mir das Spiel Jahre später mal ansah, stellte
ich natürlich fest,
daß ich nur gewonnen hatte, weil meine Gegnerin
genauso schlimm
gespielt hatte wie ich. Wie hätte es auch anders
sein können.
Dennoch habe ich das Glück nach diesem ersten Sieg
nie vergessen.) |
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Am nächsten
Donnerstag saß mir mit Frau Friedel Zier ein ältere,
große, schlanke Dame gegenüber
und ich holte mir erneut einen Punkt. Das Glück setzte sich
fort.
Die Woche drauf verlor ich gegen Dörte Guérin, die
Frau von Jean-Pierre und wurde so jäh aus
dem siebten Schachhimmel zurückgeholt. Zum ersten Mal lernte
ich ein Gefühl kennen, was mir
gar nicht gefiel. Jeder Schachspieler wird wissen, wie ich mich
gefühlt habe. Das vierte Spiel gegen
Frau Beate Barthel konnte ich zum Glück wieder für mich
entscheiden. Danach jedoch verlor ich
gegen Frau Siggelkow und Frau Holdorf. Am Ende erreichte ich nach
neun Runden einen für mich
hervorragenden 5. Platz. Die ersten vier Plätze wurden von
Vereinsspielerinnen belegt. |
Winsener
Anzeiger im April 1979:
Damen opferten König nur ungern!
Die Winsener Stadt-Schachmeisterschaften sind beendet!
Erstmals gab es dabei neben dem
Herrenturnier auch Wettbewerbe für Damen und
für Jugendliche. Insgesamt beteiligten sich
56 Spielerinnen und Spieler an den Punktekämpfen,
wobei die Teilnehmerzahl bei den Damen
mit 13 besonders hoch lag. Eine solche Teilnehmerzahl
findet man sonst nur auf Landesebene. |
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Erste
Winsener Schachmeisterin wurde Dörte
Guérin. Sie holte aus den neun Runden acht
Punkte.
Gespielt wurde das Schweizer System.
Dörte Guérin unterlag nur gegen Heidi
Staack.
Auf Rang 2 folgten Ingeborg Siggelkow und
Hildegard Holdorf mit je 7,5 Punkten. Vierte
wurde Heidi Staack mit 7 Punkten. Diese vier
Spielerinnen setzten sich deutlich vom Ver-
folgerfeld ab. Auf den weiteren Plätzen folgten
Lisa Göcke, Siegried Block und Friedel Zier.
Beeindruckend war während des Wettbewerbs
der Ehrgeiz, mit dem die Damen zu Werke
gingen. Dies wird allein dadurch belegt, daß
von den insgesamt 54 Partien nur eine einzige
remis endete.
Das Jugendturnier fand mit 18 Teilnehmern
ebenfalls eine erstaunlich große Resonanz.
Gespielt wurden neun Runden. Erwartungs-
gemäß setzte sich Guido Schleicher (Bezirks-
meister 1978) mit 8 Punkten durch und wurde
Jugendmeister der Schachspieler in Winsen.
Hart bedrängt wurde der junge Schachspieler
diesmal von Andreas und Markus Meyer,
die in der Endabrechnung dann auch beide
nur einen halben Punkt zu wenig aufweisen
konnten. |
Die weiteren Plätze
belegten Carsten Gebhardt
mit 6 Punkten, Volker Mertens mit 5,5, Rüdiger
Matthes und Torsten David mit 5 Punkten.
Die Herrenmeisterschaft wurde wegen der hohen
Teilnehmerzahl zum ersten Mal im Schweizer
System ausgespielt.
Jürgen Holdorf konnte mit 9,5 Punkten aus elf
Runden seinen Titel erfolgreich verteidigen.
Zweiter wurde Frieder Schwenkel mit 9 Punkten.
Beide Erstplatzierten verloren keine Partie. Mit
einem weiteren halben Punkt Rückstand folgte
Joachim Holdorf auf Platz drei vor Peter Harms
und Gottfried Winkler mit je 7,5 Punkten.
Das obere Mittelfeld bildeten die Spieler Beck-
mann, Klages, L. Schmidt, Bernd, Vick, Guérin
und Mertens (alle 6 Punkte) sowie Kästner,
Sarkosch und Ulke (je 5,5 Punkte). Es folgten
noch zehn weitere Spieler.
Die Stadtmeisterschaften 1979 waren für den
Schachverein Winsen, der in diesem Jahr sein
50jähriges Bestehen feiert, ein voller Erfolg
und
lassen für die Zukunft einiges erhoffen. |
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Die Frage des
Aufhörens hat sich nach diesem Turnier für mich gar
nicht mehr gestellt. Auch die
Marotten mancher Schachspieler konnten mich nicht mehr abschrecken.
Ich war jeden Donnerstag
da, allerdings blieben die anderen Damen bis auf Heidi Staack
nach und nach weg.
Bei diesem Schachkursus waren übrigens auch Frau Trude Schwenkel
und unsere Hedwig von Elling
dabei, die damals Schach gelernt hatte, um abends mal mit ihrem
Mann spielen zu können. Auch das
Turnier spielte Hedwig mit.
In der darauffolgenden Zeit erbarmte sich jeden Donnerstag einer
der Herren, um mir noch mehr bei-
zubringen. Besonders viel Geduld hatte Heinz Noack mit mir und
auch Gerhard Holdorf, Vater von
Joachim und Jürgen, nahm sich meiner "Spielkunst"
an. Beide haben oft mit mir geübt.
Damals gab es eine Rangliste im Verein. Nach einiger Zeit fragte
ich den Letztplazierten, ob er mal mit
mir spielen würde. Und ich verlor. Also wurde erst mal wieder
geübt. Als ich mich dann wieder einmal
überwand und ihn herausforderte, schaffte ich ein Remis.
So ging es langsam aufwärts.
In der Saison 79/80 wurde ich zum erstenmal in der dritten Mannschaft
mit aufgestellt und gewann
nicht ein Spiel. Wie war ich überrascht, als ich im Jahr
darauf trotzdem wieder mitspielen sollte. Da lief
es dann aber auch schon besser. |
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