LJEM 2009 |
| Bereits zum
fünften Mal in Folge fand die Niedersächsische Landesjugendeinzelmeisterschaft
in Rotenburg an der Wümme statt. Eine Woche lang spielten 166 Jugendliche
in 6 verschiedenen Turnieren 9 bzw. 11 Runden. Im Mädchenturnier waren neun Runden (Schweizer System) vorgesehen. Es waren 24 Spielerinnen jeder Altersklasse von U12 bis U18 dabei, die am Ende auch getrennt gewertet und ausgezeichnet wurden. Und obwohl man sich in diesem Turnier nicht für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren konnte, gab es auch hier viele interessante und hochwertige Partien. Aus unserem Bezirk waren wir mit 4 Mädchen, alle U16, am Start. Neben mir waren das meine Freundin Julia Kolbach vom SK Rotenburg, Valerie Delekat vom PSV Uelzen und Skrolan Steffens vom Stader SV. Nach der Begrüßung durch den Rotenburger Bürgermeister und die Turnierleiter begann für alle die erste Runde. Meine Gegnerin, Irene Arbeiter aus Göttingen, hatte noch keine DWZ und war erwartungsgemäß schwach, so dass ich schon nach etwa einer Stunde gewonnen hatte. Wegen des Schweizer Systems leerten sich die Spielräume schnell und es gab noch keine Überraschungen, was die Ergebnisse betraf. Nachdem die Partien beendet waren, sollte man sich eigentlich auf die nächste Partie vorbereiten oder die alte Partie analysieren. Dies war jedoch alles nicht möglich, da es teilweise Probleme mit der Verteilung der Trainer oder Betreuer gab. Am Sonntag erwartete alle die erste Doppelrunde. Die erste Partie morgens gegen Gloria Fenske aus Salzgitter verlor ich, da sie wesentlich stärker war, was sich auch an der DWZ zeigte (ca. 100 Punkte Unterschied). Doch ich kämpfte bis zum Schluss und wir spielten 68 Züge – das war meine längste Partie. Noch gab es in der U16-Gruppe der Mädchen keine Favoritin, da auch die stärkste Spielerin überraschend gegen eine schwächere Gegnerin verlor. Nach dem Mittagessen gab es zunächst die Siegerehrung der Niedersächsischen „Jugendserie“. Traditionell erfolgt diese Siegerehrung immer während der Landesmeisterschaft. Nachmittags bekam ich in der dritten Runde mit Svenja Lamottke aus Braunschweig wieder eine DWZ-schwächere Gegnerin, die vermutlich auch noch nicht so lange Schach spielte, da sie mehrere Figuren einstellte. Ich gewann schon nach 30 Zügen. Neben spannenden Schachpartien gab es natürlich auch in diesem Jahr in der Freizeit wieder ein Rahmenprogramm mit jeder Menge Sport und anderen Aktivitäten, an denen viele der 166 Teilnehmer gerne teilnahmen. Aber natürlich bestand keine Teilnahmepflicht. Dennoch kamen am Sonntagabend viele Teilnehmer zum Konditionsblitz. Die meisten schauten aber nur zu, denn mit der Mischung aus Sport und Schach konnten sich nicht alle anfreunden. Ein weiterer Bestandteil des Abendprogramms war Sport. Fast jeden Abend gab es das Angebot, sich in der nahe liegenden Turnhalle sportlich zu betätigen. Dabei ließen sich auch viele Turnierleiter und Betreuer blicken. Der Montag begann mit der vierten Runde. Obwohl meine Gegnerin Lea Marie Jürke aus Calenberg eine niedrigere DWZ hatte als ich, verlor ich. Damit hatte ich zwei Punkte aus vier Spielen und gehörte nicht mehr unmittelbar zu den Favoriten. Jedoch gab es nach der vierten Runde niemanden mit vier Punkten, also konnte sich fast jeder noch Chancen ausrechnen. Nur in der U18-Gruppe gab es eine klare Favoritin. Das war die Spielerin mit der höchsten DWZ (1601), Jessica Flauß aus Lehrte, die später auch das Turnier für sich entscheiden sollte. Nach dem Mittagessen folgte für alle Teilnehmer über 14 ein weiteres Highlight im Rahmenprogramm der Landesmeisterschaft: Schachball. Jeder Bezirk konnte mehrere Mannschaften stellen, die abwechselnd Schach und Fußball spielten. Hierbei zählte ein Tor beim Fußball so viel wie 1,5 Punkte beim Schach. Am Ende gewann das Team mit den meisten Siegen im Schach und Fußball. Die U10- und U12-Spieler hatten an dem Nachmittag die Möglichkeit, in das Rotenburger Schwimmbad zu gehen. Am Dienstag war wieder eine Doppelrunde angesagt. Gleich morgens musste ich gegen Juliane Kolbach antreten. Leider verlor ich durch einen kleinen Fehler, denn meistens war die Stellung ausgeglichen oder ich stand sogar auf Gewinn. Nach der fünften Runde bildete sich eine kleine Favoritengruppe, die die Landesmeisterschaft unter sich auszumachen schien. Nachmittags in der sechsten Runde bekam ich mit Tabea Emmrich aus Veldhausen wieder eine schwächere Gegnerin, die vermutlich auch noch nicht so lange Schach spielte, da sie mehrere Figuren einstellte. Ich glaubte, meine Gegnerin mit der Dame mattgesetzt zu haben. Im Laufe des Tages wies mich der Turnierleiter jedoch darauf hin, dass meine Gegnerin meine Dame einfach hätte schlagen können. Da meine Gegnerin und ich uns schon auf das Ergebnis geeinigt hatten, konnte man nichts mehr ändern. Nach der sechsten Runde gab es eine Spielerin mit fünf Punkten, aber auch Mädchen, die noch keinen einzigen Punkt hatten. Am Abend wurde, wie fast jeden Abend, wieder Sport angeboten. Außerdem gab es ein Tandemturnier, welches sich wie jedes Jahr großer Beliebtheit erfreute. Der Mittwoch begann mit der siebten Runde. In den Tagen vorher hatte Jessica Flauß, die eine meiner Zimmergenossinnen war, mir die Französische Eröffnung beigebracht und heute wollte ich diese endlich mal ausprobieren. Meine Gegnerin, Jana Pracht, überlegte sehr lange im 6. Zug und obwohl sie, wie sie sagte, selbst manchmal französisch spielt, zog sie den Läufer weg und machte einige Fehler. Das erste Mal, dass ich französisch spielte und so eine tolle Partie! Ich rief sofort nach dem Ende meinen Vater an und erzählte ihm von meinem Erfolg. Am Mittwochnachmittag gab es für alle Teilnehmer über 12 wieder die Möglichkeit, schwimmen zu gehen. Ich beschloss, dieses Angebot zu nutzen und mit einigen neuen Freunden ins Schwimmbad zu gehen. Abends fand dann die „Olympiade der Bezirke“ statt. Hierbei traten immer zwei Bezirke gegeneinander an. Es galt, sich in vielen verschiedenen Bereichen miteinander zu messen. Manchmal musste man Fragen beantworten, wer z.B. der letzte beste deutsche Jugendspieler war. Oder man musste so schnell wie möglich verschiedene Gegenstände, wie z.B. eine Tube Zahnpasta oder einen Fußball, besorgen. Und wir bekamen die Aufgabe, aus den 2 Bezirken eine bestimmte Anzahl an Personen zu wählen, die Aufgaben erhielten. So musste man sich zu fünft auf eine Turnmatte stellen und diese dann umdrehen, ohne daß jemand runterfiel. Oder man musste vor sich ein Schachbrett hochhalten, solange es ging. Das war die schwerste Aufgabe. Dieser Wettkampf war total spannend, am Ende gewann Pascal Dähn. Er hatte danach sehr viel Muskelkater. Dann war auch schon der Donnerstag da, unser vorletzter Spieltag. Weil ich gestern so schnell mit meinem Spiel fertig war, hatte mir meine Gegnerin noch die Schottische Eröffnung gezeigt. Sie spielte diese ziemlich oft und ich hab mir gedacht, dass ich das heute auch mal ausprobieren könnte. Mir gefiel das starke Zentrum von Weiß. Ich konnte einen erfolgreichen Schotten spielen und so war die Partie auch schon wieder nach 32 Zügen zu meinen Gunsten entschieden. Der offizielle Zeitplan sah für nachmittags ein „Chess 960“-Turnier vor, doch die Betreuer mussten sich sehr anstrengen, um überhaupt genügend Mitspieler zu bekommen. Ich glaube, dass lag daran, dass die meisten gar nicht wussten, was Chess 960 ist. Es ist leicht zu lernen. Alles ist wie beim normalen Schach, mit einer Ausnahme: Die Grundstellung der ersten Reihe wird am Anfang ausgewürfelt und die achte Reihe dann genauso aufgebaut. Und weil es 960 verschiedene Möglichkeiten gibt, wie diese Anfangstellung aussehen kann, heißt es Chess 960. Mir war aber nicht danach, mitzuspielen, vor allem auch deswegen, weil ich noch einmal zum Schwimmen wollte. Dieser Ausflug war nicht vorgesehen, aber da es uns gestern soviel Spaß gemacht hatte, fuhr ich mit ein paar Freunden wieder ins Schwimmbad. Doch anschließend war nichts mit relaxen, jetzt mussten wir Putzen und Kofferpacken, denn am nächsten Morgen mussten wir vor der Runde die Zimmer räumen. Und dann war der Freitag da, der letzte Spieltag und die letzte Runde! Doch diesmal war es für mich aussichtslos. Ich musste gegen meine Mitbewohnerin Jessica Flauß antreten und wie oben schon angedeutet, war sie die stärkste Spielerin im Mädchenturnier. Sie hat mich richtig in Grund und Boden gespielt, doch ich war nicht sauer. Jessica war nun sicher Erste der U18-Wertung und auch in der Gesamtwertung. Doch ich musste noch warten. Skrolan Steffens war bis dahin nur einen halben Punkt hinter mir und spielte noch. Sie leistete sich ein starkes Duell mit ihrer Gegnerin und beide waren die letzte Paarung im Spielraum. Am Ende jedoch verlor Skrolan ihr Spiel. Und ich war überglücklich, nun wusste ich, welchen Platz ich erlangt hatte und war zufrieden damit. So wie auch die letzten Tage herrliches Wetter war, schien die Sonne am Freitag und die Siegerehrung konnte draußen stattfinden. Ich fand es total schön. Wie gesagt, Jessica erreichte den 1. Platz. Meine Freundin Juliane, die ich schon einige Jahre kenne und die auch diesmal wieder eine meiner Mitbewohnerinnen war, ist Zweite in der U16-Wertung geworden. Dann hatten wir auf unserem Zimmer noch einen 3. Platz, einen 4. Platz und eine letzten Platz. Ich bin die mit dem 4. Platz in der U16-Wertung. Über die Platzierung habe ich mich sehr gefreut, denn obwohl ich keinen Pokal abbekommen habe, bin ich höher gelandet, als gedacht. Julia Hiniborch |
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