Bericht zur BEM 09

 

Bericht von Peter Hiniboch zur BEM 2009

Noch etwas verschlafen starteten Julia, Timo und ich am 3.10. um 9:00 Uhr mit meinem vollgepackten kleinen gelben Auto zunächst Richtung Rotenburg, um Julias Freundin Juliane Kolbach abzuholen. Um 12:00 Uhr trafen wir dann bei unserer Ferienwohnung in Winsen/Aller ein. Nachdem wir unsere Sachen ausgeladen hatten, zogen wir weiter zur Spielstätte, der Heinrich-Pröve-Schule. Bei der Anmeldung trafen wir dann auch Lisa, Hans-Jürgen Weis, Fabian Ahlers und Mitja Wirzbicki.
Bei der Anmeldung gab es auch die erste negative Überraschung: die sehr geringe Teilnehmerzahl. Für das Hauptturnier gab es nur 19 Anmeldungen. Mit meiner DWZ von 1271 war ich Vorletzter in der Meldeliste. Hans-Jürgen war zwei Plätze über mir gesetzt.
Bei den Jugendlichen gab es sogar nur 15 Teilnehmer. In der U18 gab es neben Mitja nur Fabian Reinkemeier, der mit seiner DWZ von 1703 der klare Favorit war. In der U16 gab es fünf Teilnehmer. Für Julia und Juliane war nach den DWZ-Zahlen zumindest der dritte Platz sicher. Für sie stellte sich die Aufgabe, Maik Richters den Titel streitig zu machen bzw. zumindest die Qualifikation für die LEM zu erreichen. Timo startete zusammen mit Fabian in der U14 mit ebenfalls fünf Teilnehmern. Einer von den beiden sollte dort den dritten Platz erreichen können. In der U12 waren nur drei Teilnehmer gemeldet, die es aber in sich hatten (Hannah Diederichs, Iwan Krüger und Frieso Gerken).
Dass es für das Meisterturnier nur vier Anmeldungen gab und diese deshalb zusammen mit den Vormeistern spielen mussten, fand ich allerdings am erstaunlichsten. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es bei den Senioren zwölf Teilnehmer gab. Von diesen beiden Turnieren habe ich allerdings wenig mitbekommen.
Äußerst positiv war dagegen der Spielort. Das Hauptturnier fand zusammen mit dem Jugendturnier in einer für die Teilnehmer angenehm geräumigen Halle statt. Außerdem gab es in der Schule einen Billardtisch und zwei Kicker, an denen sich die Jugendlichen, die in der Regel schneller fertig waren, austoben konnten.
Nach den üblichen Begrüßungsworten startete dann das Turnier. Julia bekam gleich am Anfang mit Fabian Reinkemeier die schwerste Aufgabe. Timo und ich traten quasi im Familienduell gegen die Gerkens an. Ich wusste, dass Timo Frieso schlagen konnte. Allerdings wusste er bei der italienischen Eröffnung nach dem siebten Zug nicht mehr weiter und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Ich selbst hatte gegen Fronke eigentlich eine ausgeglichene Partie. Aber im Endspiel war ich ihm dann doch unterlegen. Fabian traf auf Iwan Krüger. Die beiden kannten sich ja schon von diversen Turnieren, sodass ein harter Kampf vorherzusehen war, den diesmal aber Fabian gewann. Mitja traf auf Jannik Heitmann, der sehr souverän auftrat und spielte, sodass Mitja leider wieder einmal glücklos das Brett verlassen musste. Hans-Jürgen schaffte in der ersten Partie immerhin ein Remis. Und Juliane gewann problemlos gegen Hannah Diederichs, sodass wir immerhin mit einem Punkt in unserer Ferienwohnung eintrafen.

Am 4.10. begann der BEM-Alltag um 7:30 Uhr. Nachdem wir gefrühstückt hatten, ging es wieder zur Spielstätte. Jetzt entdeckte ich auch den von den Veranstaltern herausgegebenen Turnierkiebitz, auf dem alles Wichtige für den Tag vermerkt war. Danach war der Kiebitz mein erstes Ziel, wenn ich am Spielort ankam. Als Zweites entdeckte ich die Cafeteria. Da ich nur für mich keinen Kaffee gekocht hatte, war dies fortan mein zweites tägliches Ziel. Dann wurde erstmal die Auslosung begutachtet. Das befürchtete Freispiel ging an mir vorüber, da heute erst der 18. Teilnehmer des Hauptturniers eintraf. Dafür ereilte Timo das Schicksal eines Freispiels. Julia musste gegen Dominik Höfker ran. Das sollte eigentlich kein Problem für sie sein. Aber sie hat mit Gegnern, deren DWZ unter 1000 liegt, mehr Probleme als mit 1500ern. So war es hier auch wieder. Letztendlich hat sie aber gewonnen. Fabian musste gegen Juliane antreten. Nach einer sehr abwechslungsreichen Partie gab es dann ein Remis. Mitja trat gegen Daniel van de Kerkhof an, den er problemlos schlug. Hoffentlich gab ihm das mal das Selbstvertrauen für den Rest des Turniers. Ich selbst wollte das Freispiel vermeiden und versuchte auf Remis zu spielen. Die Angst ist allerdings kein guter Ratgeber. Ich stellte früh einen Turm ein und verlor dann auch schnell. Hans-Jürgen agierte ähnlich glücklos gegen einen ungefähr gleich starken Gegner.
Am Nachmittag gab es dann das Blitzturnier. Da die Kinder teilnehmen wollten, setzte ich mich zu ihnen und unterstützte Holger Hebbinghaus, der das Jugendturnier leitete. Da es nur neun Teilnehmer gab, wurde auch eine Rückrunde gespielt. Juliane erreichte mit 9,5 Punkten den 3. Platz (1. U16), Julia wurde mit 8,5 Punkten vierte (2. U16) und Timo erzielte mit 7 Punkten den 6. Platz (1. U14). Das bedeutete, dass jeder der drei schon mal einen Pokal mit nach Hause nehmen konnte. Fabian und Mitja nahmen an diesem Turnier nicht teil.

Am 5.10. kam dann der erste Tag mit zwei Spielen. Jedenfalls für die anderen. Nachdem die letzte Teilnehmerin des Hauptturniers (Luise Diederichs) eingetroffen war, hatte ich ja das Freispiel. Hans-Jürgen traf auf seinen ehemaligen Vereinskollegen Jürgen Steinhoff. Er stand relativ schnell auf verlorenem Posten und hielt die Partie nur noch am Leben. Timo musste gegen Iwan Krüger antreten. Bei diesen Begegnungen ist es immer das Gleiche. Timo erspielt sich einen Vorteil und verliert dann erst die Konzentration und dann das Spiel. Dafür gewann Julia diesmal problemlos gegen Marcel Böse und Juliane erzielte ein Remis gegen Jannik Heitmann. Fabian hatte gegen Dario Wagner genauso wenig eine Chance wie Mitja gegen Frieso Gerken.
An der zweiten Runde dieses Tages konnte ich dann auch wieder teilnehmen. Allerdings war ich Michael Nannt konditionell wohl trotz des Freispiels nicht gewachsen. Nachdem er durch meinen Fehler einen Bauern zurückgewann, gab ich die Partie zunächst innerlich und ein paar Züge später ganz auf. Bei der Analyse durch Fritz stellte ich dann fest, dass die Partie eigentlich noch relativ ausgeglichen war. Diesmal traf Hans-Jürgen das Freilos. Julia musste gegen Jannik Heitmann antreten. Wie ihre Freundin es am Vormittag vorgemacht hatte, erzielte sie auch ein Remis. Juliane selbst musste sich diesmal dem extrem starken Maik Richters geschlagen geben. Timo konnte gegen Marcel Böse erstmal Selbstvertrauen tanken. Fabian musste gegen Mitja antreten, der momentan einfach nicht die Kurve kriegen will.

Am 6.10. traf ich auf den Breloher Max Rudolph. Der einzige Spieler mit einer niedrigeren DWZ als ich. Den müsste ich doch schlagen können, dachte ich. Dann spielte er aber so einen merkwürdigen Skandinavier. Außerdem war er wohl nicht ausgeschlafen, sodass er teilweise so weit über dem Brett hing, dass seine Hand über meine Tischkante ragte. Lisa hat sich darüber sehr aufgeregt. Ich fand es nur amüsant. Allerdings hat mir das alles nicht geholfen, zu gewinnen. Schließlich einigten wir uns auf Remis. Währenddessen musste Hans-Jürgen sich am Nebenbrett geschlagen geben. Julia musste gegen Frieso Gerken antreten und Juliane gegen Iwan Krüger. Beide Spiele waren spannend und hart umkämpft. Während Juliane aber das Bauernendspiel gewann, musste Julia sich geschlagen geben. Timo trat gegen Jannik Heitmann an. Nachdem Timo einen Bauernvorteil hatte, traf ich während einer Zigarettenpause Jannik fluchend auf dem Flur. Aber wie schon zuvor gegen Iwan verlor Timo auch hier wieder seinen Vorteil und das Spiel. Fabian musste sich Fabian Reinkemeier geschlagen geben und Mitja traf zu allem Unglück das Freilos.
Allerdings hatte ich Zeit mich etwas näher mit der Cafeteria zu beschäftigen. Es gab eine Riesenauswahl zu günstigen Preisen und ausnehmend freundliche Damen hinter dem Tresen. Außerdem ging ich mal zum Jugendtraining bei Marine Zschischang. Es war, wie bei jeder BEM, sehr interessant. Sie zeigte während und nach der Analyse verschiedene Eröffnungsstrategien und –fallen. Außerdem empfahl sie das „Schieben“, womit die Bauern gemeint waren. Da ich immer noch Probleme mit den Bauern habe, habe ich es in den weiteren Partien auch mit „Schieben“ versucht.

Am 7.10. stehen wieder zwei Spiele auf dem Programm. Im ersten Spiel kann ich zwar einen Bauernvorteil erringen. Allerdings habe ich mich so schlecht aufgestellt, dass kurz danach meine Stellung komplett zusammenbricht. Hans-Jürgen spielt am Nebenbrett gegen Max Rudolph und verliert ebenfalls. Irgendwie scheint bei uns der Wurm drin zu sein. Julia muss gegen Timo antreten. Da Timo diese Duelle von vornherein als aussichtslos einstuft, versucht er diesmal alles zu tauschen und so ein Remis zu erzwingen. Leider hat er es nicht richtig durchgerechnet, sodass Julia mit zwei freien Bauern mehr im Zentrum durchmarschieren konnte. Fabian verliert währenddessen gegen Jannik Heitmann. Mitja kann allerdings einen Punkt gegen Hannah Diederichs machen. Die Sensation schafft allerdings Juliane mit einem Remis gegen Fabian Reinkemeier.
Am Nachmittag treffen dann Hans-Jürgen und ich aufeinander. Da ich das „Schieben“ versuche und Hans-Jürgen sehr vorsichtig spielt, haben wir nach dem vierzigsten Zug noch alle Bauern. Diese stehen auch noch größtenteils auf der vierten und fünften Reihe, sodass für die anderen Figuren kein Durchkommen mehr war. Schließlich einigen wir uns nach 57 Zügen auf Remis. Bei den Jugendlichen hat jetzt Fabian das Freilos erwischt. Julia müht sich währenddessen erfolglos gegen Maik Richters. Dagegen spielt Juliane jetzt richtig auf. Leider gegen Mitja. Und auch Timo kann gegen Daniel van de Kerkhof zeigen, was er kann. Zur Ablenkung haben die beiden während der Partie zwischendurch gekickert (auch gegeneinander).

Am 8.10. gibt es wieder mal ein Familienduell. Hiniborch gegen Diederichs. Anscheinend ist Luise noch von dem Länderkampf in Wismar in der Vorwoche geschwächt. Erst stellt sie einen Springer ein und später muss sie einen Turm für einen Läufer geben. Dieser Sieg war für mich leichter, als erwartet. Timo spielt währenddessen eine Eröffnung, die ihm Marine Zschischang gezeigt hat. Marine Zschischang ist übrigens die Trainerin der Diederichs-Schwestern, sodass diese die Eröffnung also kennen sollten. Allerdings übersieht er nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sd4 4.Sxe5 Dg5 5.Sxf7 Dxg2 6.Sxh8 Dxh1+ 7.Lf1 Dxe4+ 8.Le2 Sf3+ 9.Kf1 Sxh2+ 10.Ke1 Dh1+ 11.Lf1 das Matt auf Dxf1 und braucht noch 20 Züge bis Hannah aufgibt. Julia und Mitja sind ebenfalls erfolgreich gegen Daniel van de Kerkhof bzw. Marcel Böse. Fabian kann Frieso Gerken einen halben Punkt abnehmen. Ebenso erzielt Juliane ein Remis gegen Dario Wagner. Nur Hans-Jürgen muss leider punktlos das Brett verlassen.
Bevor der Spieltag begann, erschien GM Jussupow im Turniersaal, der ein Kadertraining durchführte. Der GM stellte noch seine Tigersprung-Bücher vor, die er in der Mittagspause verkaufen und signieren wollte. Da habe ich dann auch zugeschlagen. Vielleicht lerne ich ja noch einmal, richtig Schach zu spielen.
Da der Nachmittag frei war, fuhren wir nach Celle, um endlich einmal bei McDonalds zu dinieren, das es in Winsen nicht gab. Wie letztes Jahr in Uelzen hatten wir auch diesmal wieder erhebliche Schwierigkeiten, es zu finden. Danach gingen die Mädchen shoppen und Timo und ich saßen in einem Restaurant und beobachteten die Passanten.

Der 9.10. ruft zu den letzten Spielen und der Siegerehrung. Hans-Jürgen und ich treffen auf die jeweiligen Gegner des anderen vom Vortag. Leider ist Luise heute besser drauf und Hans-Jürgen verliert. Ich selbst habe mich gleich in der Eröffnung „verlaufen“. Nach dem fünften Zug bin ich total deprimiert und will aufgeben. Nach 20 Zügen habe ich drei Bauern weniger. Nach 32 Zügen hat mein Gegner einen Turm und drei Bauern und ich einen Turm. Nach 39 Zügen hat er nur noch den König und einen Bauer gegen meinen König. Zum Glück spielt er es nicht richtig zu Ende und es wird Patt. Auch Julia spielt Remis gegen Dario Wagner. Dagegen hat Timo keine Chance gegen Maik Richters. Während Fabian und Juliane mit ihren Gegnern von den hinteren Rängen keine Probleme haben, muss Mitja sich noch einmal gegen Iwan Krüger mühen. Doch es will ihm einfach nichts gelingen.
Dann kam die Siegerehrung. Die große Überraschung gab es aus dem gemeinsamen Turnier der Meister und Vormeister. Die ersten drei Plätze belegten Vormeister. Aber auch, dass Christoph Kuberczyk Meister wurde, war eine Überraschung. Juliane wurde mit 6 Punkten 5. (2. U16) und Julia mit 5 Punkten 7. (3. U16). Am meisten hat die beiden gefreut, dass sie nicht gegeneinander antreten mussten. Fabian wurde mit ebenfalls 5 Punkten 8. (3. U14) und Timo mit 4 Punkten 11. (4. U14). Immerhin nehmen beide einen Pokal mit. Auch mit 4 Punkten wurde Mitja 12. (2. U18). Hoffentlich findet er bald wieder zu seiner alten Form. Hans-Jürgen wurde mit 2 Punkten 19. (3. Jungsenioren). Auch er hatte sicher mehr erwartet. Ich selbst erreichte mit 3,5 Punkten den 16. Platz und bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis.

Auf der Rückfahrt wurde mein kleines Auto dann noch zusätzlich von fünf Pokalen „belastet“. Wie auch in den letzten Jahren hat uns die BEM wieder viel Spaß gemacht. Wir planen schon für nächstes Jahr in Dannenberg.

Peter Hiniborch